Interview mit David, dem Betreiber des RSS-Verzeichnisses www.rss-world.de

Hallo David, Sie betreiben unter www.rss-world.de ein erfolgreiches RSS-Verzeichniss. Wie kommen Sie zum Thema RSS?

David: Das ist schon einige Jahre her, da hörte ich das erste mal von RSS und XML. Vor RSS gab es ja nur E-Mail-Newsletter, die einen auf dem Laufenden hielten. Das heißt immer wieder die E-Mail-Adresse eingeben, an irgendjemanden geben, der evtl. irgendwas damit macht und wenn man dann nicht mehr will, sich wieder abmelden und hoffen, dass das Ganze funktioniert. Da ist RSS einfach viel unkomplizierter. Feed rein in den Reader – Feed raus aus dem Reader. Außerdem begeisterten mich die Möglichkeiten, die man hatte, Feeds dank XML automatisiert auszulesen und weiterzuverarbeiten.

Was unterscheidet Ihr RSS-Verzeichnis von anderen Verzeichnissen?

David: RSS World ist zum einen ein Verzeichnis für RSS Feeds, zum anderen aber auch ein Archiv. D. h. die Inhalte der meisten Feeds (die Entscheidung darüber liegt zum einen beim Publisher, zum anderen bei mir; ich finde es wenig wertvoll Webkatalog-Feeds oder Feeds von Onlineshops zu archivieren) werden archiviert (also die Tags) und sollen zu Recherchezwecken durchsucht werden können. Dazu teste ich zur Zeit die Stabilität der Datenbank, da innerhalb kurzer Zeit eine große Anzahl von Daten zusammenkommen. Sobald sich die Software allerdings als stabil erweist, möchte ich zahlreiche Suchfunktionen hinzufügen und weitere Features wie Zeitleisten für bestimmte Begriffe usw.

Neben dem Archiv, welches soweit ich das im Moment überblicke das Alleinstellungsmerkmal von RSS World darstellt, arbeite ich allerdings noch an weiteren Tools, welche ich auf RSS World präsentiere. Erst vor kurzem habe ich PictureRSS online gestellt, welches RSS-Feeds in dynamische Bilder umwandelt zum Einbinden in Foren, Blogs und Webseiten. Auch andere bieten ähnliche Tools an wie RSS2GIF oder Feedburner. Die meisten RSS Verzeichnisse kümmern sich aber ausschließlich um die Präsentation von RSS Feeds und weniger um das „Drumherum“.

Sind klassische RSS-Reader und personalisierte Startseiten eine Konkurrenz für Sie?

David: Ich sehe da keine Konkurrenz. Meiner Meinung nach dienen RSS Verzeichnisse als Ergänzung. RSS World dient mir aber mehr dazu, meine eigenen Kenntnisse zu testen. Ich sehe es weniger als „Produkt“. Es stimmt zwar, ich freue mich über hohe Besucherzahlen, sehe mich aber nicht in Konkurrenz zu anderen RSS Verzeichnissen.

Keine neue Webpräsenz ohne RSS – Wie sehen Sie die Zukunft des Formates?

David: Positiv. Meine Erfahrung ist zwar, dass Webseiten das Format eher nutzen als dann tatsächlich der Leser, ich glaube aber das insbesondere die Implementierung von Feeds in Browser dazu beitragen wird, dass mehr und mehr Leute Feeds nutzen, um sich über neue Berichte auf ihren Lieblingsblogs und -webseiten zu informieren.

Welchen Mehrwert haben RSS-Feeds und RSS-Reader für den Endverbraucher?

David: Also, ich persönlich habe nur ungern Newsletter bestellt. Man muss seine E-Mail-Adresse abgeben und sich wieder abmelden, wenn einem der Service nicht gefällt. Zum einen muss man seine eigenen Daten abgeben und nachher landet man irgendwie bei irgendeinem Spammer. Zum anderen funktioniert oft genug der Abmeldeprozess nicht. Mit Feeds hat man dieses Problem nicht, das halte ich für den ganz großen Vorteil. Man kann nach Herzenslust ein Feed abonnieren und sich zwei Sekunden später entscheiden, das Abo zu „kündigen“ — ohne Probleme. Zum anderen mag ich die Möglichkeiten der Darstellung, besonders bei externen Readern wie FeedOwl und anderen. Man stellt sich einfach seinen eigenen Nachrichten-Mix zusammen und kategorisiert ihn, wie es einem gefällt.

Welchen Mehrwert haben RSS-Feeds für Publizisten?

David: Ich abonniere, wie gesagt, eher einen Feed als einen Newsletter. Ich denke für Publizisten gibt es da die Chance, leichter dauerhafte Leser zu gewinnen.

Lässt sich mit dem Thema „RSS“ Geld verdienen?

David: Ich glaube, dass sollte nicht die erste Überlegung sein, wenn man sich die Frage stellt, ob man RSS nutzt oder nicht. Aber große Werbenetzwerke wie Google Adsense stellen mittlerweile die Möglichkeit bereit, Werbung in die eigenen Newsfeeds einzubinden. Ich glaube, auch Feedburner ist da mit einem Angebot aktiv. Bei einer entsprechend großen Leserzahl lassen sich da bestimmt ein paar Euro verdienen. Da habe ich allerdings keine Erfahrung. Indirekt ist RSS natürlich ein Mittel, mehr und konstante Besucherzahlen zu generieren, was sich positiv auf den Umsatz auswirken kann.

Die Firmenphilosophie von Google lautet “Don´t be evil”, wie könnte Ihre Philosophie lauten?

David: stop philosophy – practise. Aber das hänge ich mir bestimmt nirgends hin.

Welche weiteren RSS-Dienste nutzen Sie?

David: Ich benutze seit einiger Zeit Feedhub, der es ermöglicht, aus vielen RSS Feeds eine Quelle einzubinden. Damit ist es möglich, bei einer großen RSS-Sammlung die Übersicht über verschiedene Nachrichten zu behalten. Außerdem will ich mir demnächst einmal FriendFeed ansehen.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit www.rss-world.de !

[Update Dezember 2017] Das Verzeichnis von www.rss-world.de wurde Ende Dezember leider offline genommen

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